Komplementarität von Einzel- und Gruppenarbeit

Sozialpädagogische Einzelarbeit mit Familien und Gruppenarbeit können und sollen einander ergänzen. Dem einzelnen Kind und Jugendlichen werden Hilfen angeboten, die nur im intensiveren Kontakt einer Zweierarbeitsbeziehung vermittelt werden können. Zugleich aber erfolgen Hilfen, die sich speziell auf die Gruppenintegration richten. Die Kinder und Jugendlichen werden besser motiviert, eine Gruppe zu bilden, wenn die Betreuenden sich ebenfalls als Team darstellen und ihre Kooperation, Meinungsentwicklung und Entscheidungsfindung in der Gruppe demonstrieren. Man entdeckt im gemeinsamen Austausch plötzlich einen wichtigen neuen Aspekt. Und diese Selbsterfahrung von Lernprozessen in der eigenen Gruppe stärkt wieder das eigene Zutrauen, das Gleiche auch zu Hause in der Familie zu erreichen.

Aus dieser Hilfearbeit ergibt sich ein Community-Development-Ansatz, nach dem zunehmend auch andere Familienhilfen koordiniert werden können. Betroffene können allmählich mehr und mehr zu einem Gemeinwesen zusammenfinden, in dem sie ihre Erfahrungen teilen und Probleme identifizieren, für deren Lösung sie sich gemeinsam engagieren können.

Die Förderung von Gemeinschaftsprozessen unter ähnlich betroffenen Familien setzt voraus, dass die Anlässe immer von konkreten Bedürfnissen ausgehen. Es muss um das gehen, was den Betroffenen unter den Nägeln brennt. Die Menschen reagieren und engagieren sich nur, wenn sie - auch emotional - unmittelbar von bestimmten Problemsituationen berührt sind. Von dort ausgehend laufen dann gruppendynamische Prozesse ab, in denen man dazu kommt, sich über die Probleme im eigenen Leben und in der Familie hinaus und für etwas Ganzes im Sozialraum einzusetzen.

Mit Blick auf diese Praxiserfahrung können wir feststellen, dass es einen hohen Wert hat, wenn man zunächst ausgehend vom und beginnend im kleinen Maßstab etwas an dem manchmal unzulänglichen Interaktionsgefüge zwischen den Betroffenen und ihrem zu oft als Kontrahenten erlebten Gegenüber aus Institution, Verwaltung und Politik verbessern kann.

Insbesondere hieraus ergibt sich unser Blick ‚von unten her‘. Wir wollen Menschen beraten und unterstützen, dass sie die Abwehrmechanismen innerhalb ihrer Interaktionen durchschauen, verstehen und überwinden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es in den Institutionen, den sozialen Diensten, beim Fallmanagement wie in der Leistungsverwaltung im Jobcenter, in der Sachbearbeitung des Ausländeramts, der Gerichte, der Staatsanwaltschaft, der Gerichtshilfe, den Bußgeldstellen u.a. viele Menschen gibt, die persönlich zumindest unbewusst darunter leiden, dass sie durch ihre Rollenzwänge daran gehindert werden, denjenigen zu helfen, denen sie als Ratende und Helfende eigentlich dienen sollten. Und in der Tat haben wir in den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten unserer Arbeit immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diverser Dienste und Institutionen dankbar sind für unser Hilfeangebot, gemeinsam mit den Betroffenen wieder in ein sinnvolles und weiterführendes Gespräch zu kommen. Ein wichtiges Ziel unserer Arbeit besteht darin, unseren Klienten eine Chance zur Selbstintegration zu vermitteln, die darin besteht, die Kommunikation zwischen ihnen und denjenigen wiederherzustellen, die sie als reale oder - therapeutisch betrachtet - projizierte Repräsentanten des negativen und zerstörerischen Aspekts ihrer sozialen Lage und letztlich ihres eigenen Selbst identifiziert haben.