Die helfenden Akteure und Akteurinnen berücksichtigen im Hilfeprozess die gesamte (Sub)Kultur, in der die Familie integriert ist und kommunizieren, im engeren oder weiteren Sinn, in den Sprachen, in denen sie den besten Zugang unter den Beteiligten finden. Um alle wirksamen, oft untrennbar miteinander verknüpften, sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen und seelischen Faktoren berücksichtigen zu können, sind Teams sinnvoll, die aus verschiedenen Fach- und Erfahrungshintergründen an die Probleme der Betroffenen herangehen und deren komplexe Schwierigkeiten kommunizieren können. Pädagogische Begleitung, wirtschaftliche Hilfe und rechtliche Beratung, Lern- und Berufshilfe sowie seelsorgerliche Begleitung und bürgerschaftlich-politisches Engagement können im Zusammenwirken eine große Effizienz im Interesse der Familie und des Wohls ihrer Kinder entfalten.

Eine im Team reflektierte und durchgeführte Familienhilfe schafft den Spielraum, eingefahrene Vorstellungen und Methoden neu zu überdenken. Misserfolge in Hilfeprozessen resultieren nicht selten daraus, dass die Akteurinnen und Akteure die besonderen Bedingungen der soziokulturellen Situation der Angehörigen einer Diasporacommunity unterschätzen, in der viele Menschen nachhaltig unter den traumatischen Erfahrungen ihrer Flucht und ihres Heimatverlustes leiden. Fachwissen, Methodenkenntnis und berufliches Know-how sind Grundvoraussetzungen für die Hilfe. Zusätzlich aber ist entscheidend, ob und wie wir als Fachkräfte die Gefahr im Blick haben, Implikationen einer Berufsrolle zu übernehmen und zu verinnerlichen, die unser Urteilen und Handeln durch Klischees, allgemeine Ansichten und Ressortdenken bestimmen und einschränken.

Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene sind prinzipiell Lernende und entwickeln sich. Sie haben Fähigkeiten zu einem guten Leben (M. Nussbaum), für das sie sich selbstbestimmt, eigenverantwortlich und lösungsorientiert einsetzen können. In diesen Fähigkeiten sollen sie von uns anerkannt und soll deren Entfaltung unterstützt werden. Mit der Anerkennung und Zuerkennung von Fähigkeiten, Freiheiten und Rechten sollen ihnen zugleich die Mittel und Leistungen zugänglich gemacht werden, die sie zu deren Verwirklichung brauchen (J. Rappaport). Im Hilfeprozess werden die Betroffenen von uns als Experten und Expertinnen für ihre eigene Lebenssituation angesehen, eine Lebenssituation, der sie nicht ausgeliefert sind, sondern die sie zum Guten verändern können. Der Austausch und das Zusammenwirken der Hilfe suchenden Menschen in einer Community mit anderen Betroffenen in gleichen oder ähnlichen Lebenssituationen ist von elementarer Bedeutung für die Beteiligten. Er ist eine wichtige Ressource im Hilfeprozess, die wir nach Möglichkeit unterstützen und fördern. Und in den Fällen, wo er sich als Hindernis entpuppt, unterziehen wir den innerfamiliären Austausch einer kritischen Reflexion in Beziehung zum eigenen Stärken-Potenzial der Betroffenen, so dass Ent-Wicklung der Situation möglich wird.

 

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