Unser Ansatz gruppen- und gemeinschaftsbezogener Familienhilfe

Im Mittelpunkt stehen für uns die eigenen sozialen Ressourcen von Familien, d.h. die Weise, in der sie ihre gesellschaftlichen und kulturellen Lebensverhältnisse zum Ausdruck bringen, ihre gegenseitige Beratung, Unterstützung und Kooperation in Familiengruppen und Gemeinden. Auf dieser Grundlage können wir Hilfen in Gang bringen, durch die sich Betroffenen mehr Klarheit über die Kräfte verschaffen, die es ihnen bislang schwer, wenn nicht unmöglich machen, ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu führen. Kräfte und Einflüsse, die Emanzipation verhindern und die Chancen zu einer besseren Kommunikation nach innen und nach außen verbauen.

Die helfenden Akteure und Akteurinnen berücksichtigen im Hilfeprozess die gesamte (Sub)Kultur, in der die Familie integriert ist und kommunizieren, im engeren oder weiteren Sinn, in den Sprachen, in denen sie den besten Zugang unter den Beteiligten finden. Um alle wirksamen, oft untrennbar miteinander verknüpften, sozialen, rechtlichen, wirtschaftlichen und seelischen Faktoren berücksichtigen zu können, sind Teams sinnvoll, die aus verschiedenen Fach- und Erfahrungshintergründen an die Probleme der Betroffenen herangehen und deren komplexe Schwierigkeiten kommunizieren können. Pädagogische Begleitung, wirtschaftliche Hilfe und rechtliche Beratung, Lern- und Berufshilfe sowie seelsorgerliche Begleitung und bürgerschaftlich-politisches Engagement können im Zusammenwirken eine große Effizienz im Interesse der Familie und des Wohls ihrer Kinder entfalten.

Die Betroffenen sind oft verstrickt in eine selbstzerstörerische Gruppendynamik. So, wie sich die Familienmitglieder kollektiv als diskriminiert erfahren, diskriminieren sie sich gegenseitig weiter. Neben einer fortgesetzten Diskriminierung von außen ist durch einen Verinnerlichungsprozess eine manchmal noch rücksichtslosere Diskriminierung aus dem eigenen Inneren wirksam.

Mit Blick hierauf ergeben sich für uns folgende Arbeitsfelder:

  • Familienhilfe in der einzelnen Familie, um u.a. das gestörte Kommunikationssystem zu verbessern und die Aggression in der Familie als Primär-Gruppe zu bearbeiten.
  • Schülerhilfearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Hier geht es uns darum, neue Fähigkeiten für ein kooperatives Verhalten in der Familie wie in der Schule einüben.
  • Gruppenarbeit mit Eltern. Erfahrungen vermitteln, dass und worin die Vorteile einer sozialen und solidarischen Zusammenarbeit bestehen. Die von uns durchgeführten Schul- und Berufskurse eröffnen den Familien erstmals eine wirtschaftliche Perspektive ohne Abhängigkeit von ALG 2 und Sozialhilfe. Die beteiligten Eltern bilden neue Freundschaften und Solidargemeinschaften.

Die Arbeit mit den Familien impliziert die Anerkennung bestimmter Regeln und Voraussetzungen:

  1. Man kann keine Verbesserungen im Verhalten der Familie erwarten, solange deren wirtschaftliche Not und rechtliche Bedrohungssituation das Maß der Erträglichen überschreitet. Um Ressourcen für die Bewältigung von familiären Konflikten zu flüssig zu machen, muss der von außen lastende Druck gelindert werden. Beispiele: chronische Verschuldung, Sperrung der Energieversorgung, drohende Wohnungsräumung, drohende Ausweisung und Abschiebung, Haftankündigung.

  2. Es gibt kaum eine Familie, die nicht Schulden abzahlen muss.

  3. Auch wenn die von außen zu leistende Unterstützung von der betroffenen Familie zunächst, für kürzere oder längere Zeit, passiv empfangen und wahrgenommen wird, sind solche Interventionen unvermeidlich, wenn die Situation verfahren, die Familien zu hilflos oder die Notlage zu brennend ist. Wer zu entkräftet ist, um sich selbst zu helfen, braucht Stärkung von außen, bis er/sie selbst wieder initiativ und aktiv werden kann.

Begegnungen mit dem Team der Helferinnen und Helfer als ‚korrigierender Familie‘

Durch den Kontrasteffekt, den die Gruppe ihr bietet, kann die Familie etwas von dem gegenseitigen Vertrauen als Gruppe zurückgewinnen. Die Familie sieht sich einer Gruppe von mehreren um sie bemühten Personen gegenüber, an der sie erleben und lernen kann, wie die verschiedenen Mitglieder dieser anderen Gruppe miteinander kooperativ umgehen und auftretende Probleme bewältigen. Sie kann beobachten, wie dort ggf. auch Aggressionen, Rivalität oder Neid zum Vorschein kommen, aber dass man dort bessere Möglichkeiten findet, mit solchen Spannungen umzugehen, ohne das kooperative Verhältnis in Gefahr zu bringen. So liefert die Gruppe des Hilfe-Teams ein Interaktionsmodell, um destruktive Mechanismen zu entmachten, die das Verhalten der Familie bislang vorrangig gesteuert haben.

Komplementarität von Einzel- und Gruppenarbeit

Sozialpädagogische Einzelarbeit mit Familien und Gruppenarbeit können und sollen einander ergänzen. Dem einzelnen Kind und Jugendlichen werden Hilfen angeboten, die nur im intensiveren Kontakt einer Zweierarbeitsbeziehung vermittelt werden können. Zugleich aber erfolgen Hilfen, die sich speziell auf die Gruppenintegration richten. Die Kinder und Jugendlichen werden besser motiviert, eine Gruppe zu bilden, wenn die Betreuenden sich ebenfalls als Team darstellen und ihre Kooperation, Meinungsentwicklung und Entscheidungsfindung in der Gruppe demonstrieren. Man entdeckt im gemeinsamen Austausch plötzlich einen wichtigen neuen Aspekt. Und diese Selbsterfahrung von Lernprozessen in der eigenen Gruppe stärkt wieder das eigene Zutrauen, das Gleiche auch zu Hause in der Familie zu erreichen.