Dank der Volkshochschule Aachen (VHS) hat im März 2015 ein Kurs begonnen, der das Nachholen des Hauptschulabschlusses und eine Pflegediensthelfer/in-Ausbildung ermöglicht - Voraussetzungen, die die Altenpflege-Ausbildung beschleunigen. Die Chance, möglichst schnell ein qualifiziertes Arbeitsverhältnis zu beginnen, motiviert unsere Teilnehmer und Teilnehmerinnen enorm. Dies bestätigt auch das Feedback der VHS-Lehrer/innen.

Wir – Betreuer/innen und Mitglieder der Community – kümmern uns um die sozialen und individuellen Belange vor und während der Berufsausbildung, zum Beispiel Klärung der Situation beim Sozialamt, beim Jobcenter, beim Ausländer- oder beim Jugendamt. Wir kümmern uns um Kinderbetreuung, Berufsberatung, Suche nach Praktika, Anpassung des Curriculums, Organisation von Zusatzausbildung, Mitfahrgelegenheiten und vieles mehr. Gleichzeitig beschreiben wir diese Tätigkeiten aus sozialwissenschaftlicher und pädagogischer Sicht, damit das Projekt ein Muster für Nachahmer sein kann.

Was sind die größten Hindernisse zurzeit?

Da die Begleitung der Ausbildung ausserhalb der VHS ehrenamtlich erfolgt, ist die Unterstützung lückenhaft. Es fehlt an einer Ausbildungsvergütung (Stand 2015), sodass Teilnehmer/innen immer wieder den Unterricht unterbrechen müssen, wenn das Einkommen ihrer Familien einbricht. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Projektarbeit muss dringend erweitert werden.

Sind die Teilnehmer mit einem Alter von bis zu 60 Jahren nicht zu alt zum Lernen?

Nein! Aber anders als Jüngere. Wir müssen damit rechnen, dass sich das Fachseminar - möglicherweise schon allein deshalb, weil es die offiziellen Lehrpläne so vorgeben (das werden wir zu untersuchen haben) - didaktisch und methodisch an der Arbeit mit jüngeren "Schülern/-innen" (so lautet bezeichnenderweise der gebräuchliche Terminus für Auszubildende in der Pflege) orientiert. Wir brauchen deshalb während der gesamten Kurszeit eine begleitende Moderation, die in Interaktion zwischen Dozierenden und Lernenden ein Optimum gemäß den individuellen Förderbedarfen und Lernressourcen der Auszubildenden entwickelt.

Warum reicht die normale Berufsausbildung nicht aus?

Um aus der Situation der Arbeitslosigkeit oder geringfügigen Beschäftigung herauszukommen, benötigen und suchen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nach einem praktikablen Einstieg in eine Berufsausbildung. Jobcenter neigen dazu, nur kurzzeitige Ausbildungen zu finanzieren, die kaum die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern, obwohl z.B. in Alten- und Krankenpflege qualifiziertes Personal fehlt. Deutschkurse bringen offensichtlich in ihrer jetzigen didaktischen Struktur wenig Erfolg. Wenn eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer in der Vergangenheit als Flüchtling nicht arbeiten durfte und heute sich um ihre bzw. seine Familie kümmern muss, ist der selbst zu erbringende Aufwand zu hoch, um die Kosten und die Zeit für einen Deutschkurs aufzubringen, den sie bzw. er nicht in den Alltag unterbringen kann.

 

Hauptschulabschluss als Zulassungsvoraussetzung - Sollen auch diejenigen mitmachen können, die ihre Zeugnisse bei der Flucht nach Deutschland verloren haben?

Ja! Nach dem Altenpflegegesetz (AltPflgG) sollen an der Ausbildung zwar nur diejenigen teilnehmen können, die einen Hauptschulabschluss bzw. "eine andere abgeschlossene zehnjährige allgemeine Schulbildung" (§6 AltPflG) haben. Aber dies bedeutet nach unserer Auffassung nicht zwingend, dass man seinen Schulabschluss in Form eines Zeugnisses nachweisen muss...

Denn nicht wenige unserer Bewerber/innen konnten ihre Papiere bei der Flucht aus Afrika nicht mitführen und haben sie heute verloren. Weil jedoch die Behörden und Ausbildungsstellen das derzeit noch nicht akzeptieren können, haben wir die Bezirksregierung Köln gebeten, die Möglichkeit einer Ausnahme-Regelung zu prüfen.

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